Am 3. November habe ich im Schwulen Museum, Berlin, einen ARTIST TALK im Rahmen der Ausstellung „trans*homo“.
Der ca. einstündige Talk steht unter dem Titel THE MIRROR CRACK’D und besteht aus einer live kommentierten Slide Show.
Samstag, 3. November 2012
18:00h
Ort: Schwules Museum
Mehringdamm 61
10961 Berlin
“Out flew the web and floated wide;
The mirror crack’d from side to side;
‘The curse is come upon me,’ cried
The Lady of Shalott.”
(Alfred Lord Tennyson)
“THE MIRROR CRACK’D ist kein spezielles Projekt, an dem ich für eine gewisse Zeit arbeite und das dann erledigt wäre. Es ist eher ein Sprachbild, das mehr oder weniger beschreibt, wie ich mich selbst und die Wirklichkeit sehe, seit der Begriff “Point of View” für mich irgendwie problematisch geworden ist.
Tatsächlich begann meine photographische Arbeit erst, nachdem ich mein Geschlecht gewechselt hatte. Ich war auf der Suche, hätte aber nicht sagen können, wonach.
Mein damaliger Blick auf mich selbst war nicht der Blick in den Spiegel. Ganz und gar nicht.
Wenn und sofern ich mich selbst ansah, sah ich mich durch die generalisierten Augen des “generalisierten Anderen”. – Und mehr noch: ich sah mich von einem Standpunkt, einem Point of View, den ich eigentlich aus freien Stücken aufgegeben hatte.
“I’ll Be Your Mirror” war kein möglicher Arbeitsansatz für mich.
Ich, der Nullpunkt der Perspektive, war unbesetzt,der Spiegel, Zentrum der Reflektion, war zerbrochen.
Ich war blind.
(…)
Jahrelang lebte ich ausschließlich nachts. Es lohnte sich irgendwie nicht, die Kamera auszupacken, solange es nicht dunkel war. – Selbst wenn es dann endlich dunkel war, waren mir die meisten Motive einfach viel zu gut ausgeleuchtet, wenn ich sie vorfand.
Bis heute besteht das größte Problem mit Licht eigentlich darin, wie man es vermeidet. Ich suche nach einer Geschichte, die sich um Dunkeln verbirgt. Ich suche nach Situationen, die nicht mehr real sind oder die es noch nicht sind – egal, ob sie es je waren oder werden.”
(Auszüge aus THE MIRROR CRACK’D von J.Jackie Baier)
