Der TIMP war ein wirklich heruntergekommener Laden, ein schmutziger Haufen Steine, windschief hochgezogen und sicher lange schon verrufen, bevor es der Transenpuff von Köln wurde. Dann aber, als er es einmal geworden war, ging es richtig los: unten in der kaum erleuchteten Bar tanzten die unsäglichsten Fummeltrienen zu Cindy und Bert und Cage Au Folles auf Orangenkisten vor einer johlenden Meute, und in den vier Etage darüber wurde im Stundentakt Geld verdient, wenn Sie wissen, was ich meine…
Daß dieser Laden in der Lokalpresse inzwischen zur Kulturleistung hochgejubelt wird, muß damit zusammenhängen, daß er vor zweidrei Jahren geschlossen wurde und niemand mehr den Geruch in der Nase hat, der aus den Herrenklos herauf wehte, wenn der Rhein Hochwasser führte, oder Niedrigwasser oder irgendwas dazwischen.
So, wie die Sprache die Magd des Vorteils ist, so ist die Erinnerung die Hure der Rechtschaffenheit – da wird schon mal gespreizt, damit irgendwer ein guter Mensch bleibt.
Aber die Show, die sie jetzt hochgezogen haben zwischen den feuchten, stinkenden, ranzigen und von ungesundem Schweiß getränkten Tapeten dieses Jodelhauses, war großartig!
Zum Niederknien allein die Leistung, der Stadt, dem Land und den Immobilienhaien, die den Laden nach seiner Pleite gewinnbringend leer stehen lassen, das Haus für zweieinhalb Wochen abzuschwatzen!
Und ich durfte mittendrin sein. Ich kam mir vor wie Seeräuber-Jenny auf Besuch in der Heimat – Sie wissen schon, da, wo sie die Gläser putzte und man sich fragte, was lächelt die dabei …
Hotel TIMP – Kunst im Etablissement
Ein Projekt von: FENZkunstraum, Kunstwerk Nippes und Galerie Lichtblick
Arbeiten von (u.a.): Antoine d’Agata, Mariette Pathy Allen, J. Jackie Baier, Andrej Barov, Ilse Bing, Larry Fink, Michael Grecco, Birgit Kahle, Les Krims, Ann Simmons-Myers, Wolfgang Schulz, Arthur Tress, Jürgen Wassmuth, Miron Zownir uvm




