Archiv für die Kategorie ‘Jackie Underground’

ES BLEIBT DUNKEL UND KALT

Donnerstag, 28. April 2011

Hi all,

It’s still dark and lonely out here in the cold.
In the meantime, please join NEON RAIDERS having a party on Saturday, April 30 – The Night Before… and enjoy a Special Edition of 20 Black&White photos I made out here, each printed on special coated matte paper, size A2 (59.4×42 cm), while Van Camp, Matt Sims and NOBLESSE OBLIGE rock the dungeon.

Oh – you can buy these.

They’re € 50,– each (signed, dated&numbered) – postage and packing extra. Contact: jackielynn (at) web.de

Sandra Smoking

PAINT-IT-BLACK

Mittwoch, 13. April 2011

Als ich das erste Mal Photos von Daido Moriyama sah, dachte ich, Photographie in der Zeit nach Hiroshima muß genau so aussehen. – Die Erkenntnis kam wie ein Schock.

Dabei behandeln Moriyamas Arbeiten Sujets, die apokalyptischer Implikationen gänzlich unverdächtig sind: Menschen liegen am Strand, fahren mit dem Nahverkehrszug, schlendern durch die Vergnügungsviertel Tokyos oder Osakas. Moriyama durchstreift Straßen, findet Hunde, Kinder, Hauseingänge.

Aber die Bilder sehen sämtlich aus, als wären sie im Moment des sich entwickelnden nuklearen Blitzes geschossen. Ausgerissene Konturen, gleißendes Licht, gehetzte Unschärfe.

Der Engel der Geschichte erscheint in ihnen eingebrannt, ein körniger Schatten, ein Körper, von der Strahlung im Moment des Todes auf eine Wand geworfen.

Vom Augenblick der Katastrophe her scheint in die Zeit ein Licht, das jedes Auge, das es erblickt, für immer blendet, und ein Sturm fegt von ihr her durch die Ruinen, der kein Halten kennt und kein Zurück.

Wer lebt, existiert einzig als Überlebender, dem alles, was sein Leben ausmacht, zu Staub zerfallen ist – ein bleicher Schatten im Reich der Geister.

Es tut mir Leid, ich bin heute so drauf. Ihr müßt ja nicht weiterlesen.
Und der deutsche Adel kommt bei mir auch weiterhin nicht vor.

Als ich im Jahr 2006 mit Miss Fish im Backstage des Kinzo (Berlin) eine spontane Photosession nach ihrem Auftritt in Chantals House of Shame machte, gab es eine Situation, in der mich derselbe Schock einholte: ich fühlte mich an einen Ort versetzt, der, obwohl er sicherlich nie real existierte, mir vollkommen wahrscheinlich erschien und der in seinem grünlich gelbstichigen Licht an Becketts „Dépeupleur“ erinnerte.

Ich nannte die Photoserie schließlich inoffiziell „23 ft. under Reactor No.4 / Czernobyl“.

Es nimmt kaum Wunder, daß diese Serie kein großer Verkaufsschlager geworden ist. – „Party“ sieht wohl anders aus im allgemeinen Verständnis. Und „Party“ scheint auch so gar nicht zu passen zu all den Katastrophen, die im weiten Rund ihre Trümmer werfen.

Dennoch „geht die Party weiter“. – Vom „Tanz auf dem Vulkan“ hat man früher gesprochen, als das Atom noch nicht metaphernreif war. Die zeitgenössischen „Tänze des Lasters“ finden in scheinbar sichererer Umgebung statt: in den nachgelassenen Bunkern der ausgebombten Nazihauptstadt oder in den Kellern spätstalinistischer Platten.

Und doch ist das Gefühl unverändert: das einer wollüstigen Panik angesichts eines näher rückenden Endes der Welt, wie wir sie kennen. – Wenn die Musik ein paar Sekunden lang nicht spielt, sind die anrückenden Schaufelbagger auch von hier unten aus schon zu hören – unklar ist nur, ob sie kommen, um uns rauszuholen oder um uns zuzuschütten.

Was aktuell Fukushima angeht, sehe ich in den Bildern, die wir täglich „auf den Schirm“ bekommen, nichts.
Ich rede dabei nicht von dem Gemeinplatz, daß man die radioaktive Gefahr nicht sehen, schmecken oder riechen kann. Es gibt schließlich Geigerzähler; wenn’s knistert, strahlt wahrscheinlich irgendwas.

Außerdem haben Earthquake und Tsunami durchaus ihre Bilder, die Katastrophe ist millionenfach dokumentiert – eine echte Handy-Katastrophe! – und weltweit ausgestrahlt.

Die Bilder geben nur nichts von dem, was geschieht, heraus.

Trotzdem sitzen wir, weit vom Schuß, vor der Glotze und starren immer dieselben Bilder an und starren immer neue Bilder an, die immer dasselbe zeigen, und wir hören gebannt stelzigen Sentenzen nichtbetroffener Nachrichtensprecher zu, die sich, hilflos wie sie sind, in einen Predigerton flüchten, für den sie einfach nicht ausgebildet sind: eine mondokane Litanei des Schiffbruchs an fernen Gestaden, ein Singsang von fremdem Leid hinter verschlossenen Gesichtern… -

Letztendlich geht es hier aber nicht um die Wolke von Bildern und Sinnbildern, die am Ende des Tages durch den Äther treibt wie der Plastikmüllteppich über die Weltmeere.

Es geht – Entschuldigung – um unseren Hintern.

Wenn sie wenigstens Manfred Zapatka engagieren würden, um die Nachrichten aus Japan zu verlesen!
Vielleicht würde man dann wenigstens etwas begreifen – vielleicht sähe man dann etwas, das wenigstens ein bißchen über die bloße Darstellung großflächiger Zerstörung und massenhaften Elends hinausginge, etwas auch, das die plumpe Abrechnungsdramaturgie von Schuld und Sühne überträfe.

Don’t look now!

Letztes Jahr in Berlin

Dienstag, 01. Februar 2011

War wieder in Projekten verschwunden – irgendwo, weit weg von Blogland.
Kein leichtes Stück Arbeit. Es war kalt da draußen, feucht, und es dunkelte schnell.
Das IV. Quartal 2010 war finster- und „Existenz“ wurde schlagartig wieder zu einer Kategorie des wirklichen Lebens.



Mois de la Photo / Monat der Fotografie

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Kunstraum Richard Sorge zeigt vom 16. Oktober bis 14. November die Gruppenausstellung „Streeple“ im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie – mit Arbeiten von Slava Mogutin; J.Jackie Baier; Alex Da Corte; Ari Versluis & Ellie Uyttenbroek / Exactitudes; Gihan Tubbeh, Musuk Nolte, Renzo Giraldo / Versus Photo.

Die Galeristen beschreiben ihren kuratorischen Ansatz wie folgt:

Kunstraum Richard Sorge is the setting for a photography exhibition that maps the complex area between empathy and exploitation, identification and voyeurism.
According to the Urban Dictionary, “streeple” denominates street people. The show’s photographers view their subjects as protagonists, not models; they are chosen and documented for what they are, and not brought to play any kind of role. Photographed (or casted) in the streets, they (and we, the viewers) are made aware of their specialness.
Placed at the center of attention, the protagonists are drawn into a dialog with the photographer based on the gradual development of trust. At best, this process leads to empowerment: “claiming the right to a face,” as photographer J.Jackie Baier puts it, of those living on the fringes of society, and beyond.
Using mise-en-scene to make the real more truthful, the photographers show that there is posing involved in every photo, no matter how straight-up.“ (Katalog 4. Europäischer Monat der Fotografie Berlin 2010, hrsg.v. Kulturprojekte Berlin, S. 66)

Ich bin an STREEPLE mit 9 Portrait-Arbeiten beteiligt, die ich zwischen 2005 und 2010 auf dem Straßenstrich in Schöneberg-Nord gemacht habe. Dort gibt es seit fast 40 Jahren eine Meile, auf der ausschließlich transsexuelle Mädchen anschaffen.
Begreiflicherweise sind Ihnen meine Arbeiten gewidmet.

Einige der Arbeiten, die während STREEPLE gezeigt werden, waren bisher noch nie öffentlich zu sehen. – Deshalb werden sie hier auch erst ab dem ersten Ausstellungstag gezeigt.

Das Portfolio bleibt online bis zur Finissage.

“I’m with the band”

Mittwoch, 30. Juni 2010

Ich habe in den letzten Wochen ein paar Shootings für ein neues Portfolio machen können. Das Projekt steht erst in Umrissen. Ich denke an eine Art Tour Book mit (on stage und backstage-) Portraits von Musikern und Bands, die in der Krise der Musik-Industrie ihren Weg zwischen den Ruinen suchen …

In der vorletzten Woche hat die „taz“ eins der Photos in einem Artikel über Noblesse Oblige publiziert. Unten finden sich ein paar mehr.

I’m following Noblesse Oblige for a while now. Their new album „Malady“ came out May 28 (Repo Records). If you don’t know about, or if you haven’t heard it yet, you should definitely GO OUT AND GET IT – NOW!